Kapitel: 1.2 Jasmin

Jasmin Ömmel, ihres Zeichens Ehefrau von Professor Ömmel, juchzte, ächzte und stöhnte zur gleichen Zeit lustvoll im Bett von Ali Güdücür. Sie glaubte, das sei sie ihrem Liebhaber schuldig; sie war nicht zu Unrecht der Meinung, manche Männer würden es mögen, wenn ihre Männlichkeit lautstarke Anerkennung erfahre.
Und außerdem entsprachen Jasmins Geräusche durchaus ihrer eigenen Gemütslage.
,Bei Allah‘, dachte Ali stolz, ,die stöhnt sich ja wieder was zurecht heute. Ist aber auch kein Wunder, wo ich so gut bin.‘

Das Zimmer Alis entsprach nicht unbedingt den gehobenen Ansprüchen der gnädigen Frau Ömmel, weckte aber Erinnerungen an ihre Zeit vor der Ehe. Über die Nachttischlampe hatte ihr Lover ein rotes Tuch gelegt und auf diese Weise dem Zimmer eine lächerliche Bordell-Atmosphäre verliehen. Auch die schweren Vorhänge vor dem Fenster waren in tiefem Rot gehalten.
Jasmin machte gerne die Augen zu, um nicht dauernd auf die verblichenen Tapeten sehen zu müssen. Oder an die Decke mit den Spinnweben. Das Bett begleitete knarzend den Rhythmus der beiden. Im Hintergrund dudelte leise ein billiger CD-Recorder mit landestypischer Musik des Hausherrn. Es wäre übertrieben, von einem betörenden erotischen Ambiente zu sprechen. Aber das störte die beiden Akteure nicht.

Ali nannte den Raum gern sein Arbeitszimmer. Oben auf den Schrank hatte er geschickt eine Kamera platziert. Sie schien wie zufällig dort zu liegen und nahm doch mit großer Genauigkeit das Geschehen in dem altmodischen französischen Doppelbett auf.
,Für alle Fälle‘, hatte Ali einem Freund erzählt, ,man wisse ja nie, ob man das nicht noch mal irgendwann gebrauchen könne‘.
Seit Jasmin Ömmel das Fitnesstraining beim Türken Ali Güdücür begonnen hatte, hatte sich ihre körperliche Verfassung phänomenal verbessert. Das galt für den Seelenzustand ebenso wie für die Belastbarkeit ihrer Bauchmuskulatur.

Ali Güdücür

Für Ali Güdücür war das Fitness-Studio das größte Glück seines bis dahin eher verkorksten Lebens. Seine Vergangenheit als dealender Kleinkrimineller lag lange zurück, fast ein Jahr. Bald nach der Eröffnung seines neuen Ladens war er zum Geheimtipp der besseren Damenwelt der Stadt geworden. Mit der Unterleibsbetreuung diverser gehobener Gattinnen hatte er sich ein zweites Standbein geschaffen. Seine schwarzen Locken und sein Waschbrettbauch überdeckten die geistigen und charakterlichen Mängel in verlockender Weise.
Er war geschäftstüchtig. Er konnte zwar nicht gut lesen und schreiben, aber rechnen konnte er ganz gut. Vor allem Frauen konnte er gut ausrechnen.
Und mit Koks handelte er nebenbei immer noch. Und Jasmin Ömmel stöhnte noch immer.

Rezension des Krimis in der “Deutschen Sprachwelt”

Weitere Rezension des Krimis

Meine Bücher

Kleine Geschichten über Politik
Michel schlägt zurück
Die Fäden ziehen Krimi und Gesellschaftssatire
Kleine Geschichten über Golf
Geschichten über kleines Golf
©Dr.Jörg Hellmann