Ich, der Golfball

Mit Vorsicht legt man mich auf´s Tee,
Aus Angst erzittern meine Knie!
Dann haut der Mensch mit aller Kraft
Und jubelt noch, wenn er es schafft,
Dass ich den vollen Blattschuss kriege
Und weit ins Ungewisse fliege.

Wie ich mich noch vor Schmerzen winde,
Da klatsch ich gegen Baumes Rinde!
Es schallt vernehmlich klack, klack, klack,
Ich pralle von den Bäumen ab
Und stürze mit verzerrtem Blick
Aus 15 Metern auf´s Genick!

Von ferne hör ich lautes Fluchen,
Dann rückt man an, um mich zu suchen!
Ich stell mich taub, ich mach mich klein,
Und krieche schnell ins Laub hinein,
Da tritt schon einer auf mich drauf
Und hebt mich triumphierend auf.
Doch statt mich wunden Kerl zu pflegen,
Mich sanft ins grüne Gras zu legen,
Lässt man mich jetzt von oben fallen
Und wieder auf die Erde knallen!
Das nennen diese Deppen droppen!
Die Bosheit ist nicht mehr zu toppen!

Dann endlich lande ich im Loch!
Der Unmensch jubelt: „Geht doch noch!“
Ich hoffe auf ein wenig Ruh,
Da komm´n auf mich zwei Finger zu,
Ich werd vom Handschuh, schweißgetränkt,
In eine Hose rein gezwängt
Und zittre dort mit Weh und Klag,
Vorm nächsten, gnadenlosen Schlag.

Schon wieder lieg ich auf dem Tee,
Mir stockt mein Herz, mir schwankt das Knie!
Ich bete still mit ganzer Seele,
Dass mich der derbe Drive verfehle!
Schon holt der Unmensch mächtig aus
Und prügelt mein Gekröse raus!
Zur Strafe mache ich einen Satz
und nehm vorm Damen-Abschlag Platz!

Schon wieder flieg ich durch die Luft
Geschlagen durch den üblen Schuft,
Dann lande ich mit lautem „Platsch“
In einem Wiesenstück aus Matsch!
Vergebens hoffe ich verdreckt,
Dass er mich diesmal nicht entdeckt,
Doch schon beginnt das Ding zu kreisen
Das grauenvolle Siebner-Eisen
Und wieder macht es lautstark „Wuff!“
Und wieder haut er auf mich druff!

Ich mache nie die Arbeit recht!
Mal meckert man, ich läge schlecht!
Mal flieg ich übers Fairway raus,
Mal komm ich nicht beim Bunker naus,
Dann wieder treff‘ ich nicht das Loch,
Dann nicht die Bahn, dann weder noch!
Die Schuld fällt immer nur auf mich,
Kein Mensch sucht mal die Schuld bei sich!

Schon wieder werd ich aufgeteet,
Schon wieder flieg ich ins Gebiet!
Mein Hintern tut entsetzlich weh,
Als ich von oben plötzlich seh
Mit hohem Gras ein dichtes Rough,
Mit letzter Kraft ich´s dorthin schaff!

Schon wieder kommen sie mich suchen,
Schon wieder ein vernehmlich Fluchen!
Das Gras wird gnadenlos durchkämmt,
Und man verwünscht mich ungehemmt.
Wie nach Verbrechern fahndet man
Bis einer mich entdecken kann.

Wie kann ich diesem Jammerleben,
Denn bloß mal eine Wende geben?
Ich könnte mich in dichten Hecken
Bei öden Zecken mich verstecken!
Ich träum´ von einem tiefen Graben,
In dem sie mich begraben haben!
Dass ich in einen Tümpel fliege,
Dadurch die Seebestattung kriege!
Dass ich im dichten Laub verende,
Wo mich kein Pilzesammler fände!
Dass mich erlöse von der Not
Ein würdevoller Gnadentod!